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Sparring für Boxanfänger

Sparring für Boxanfänger

Eines der wichtigsten Elemente des Boxtrainings ist das Sparring. Merke: Gerätetraining hilft, Deine Technik zu entwickeln. Sparring im Boxring entwickelt Deine kämpferischen Fähigkeiten!

Das echte Kämpfen lernen

Wer mit dem Boxen anfängt, muss zunächst die Grundlagen dieses Sports kennen lernen und verinnerlichen. Das heißt: Die unterschiedlichen Schläge müssen gelernt werden, vernünftige Verteidigungstechniken stehen auf dem Plan, Arm- und Beinarbeit werden geübt bis zum Umfallen. Doch irgendwann ist Dir dieses „Trockentraining“ zu langweilig und Du willst Deine neu erworbenen Fähigkeiten und Techniken am „lebenden Objekt“ ausprobieren und nicht immer nur am Gerät. Das ist Dein Ziel und davon fantasierst Du schon lange. Du fragst: „Wann darf ich endlich in den Ring und kämpfen?“

Dann triffst hoffentlich nicht auf einen Trainer, der so vorgeht: Er steckt Dich unvermittelt in den Ring und sagt: „Kämpfe!“ Dann kann eine ganze Menge Negatives passieren, abhängig davon, welcher Typ Boxer Du bist. Sehen wir uns die Möglichkeiten kurz an.

Boxen zum Überwinden von Ängsten

Wer als unerfahrener, junger Athlet mit dem Boxen seine Ängste und Unsicherheiten überwinden will, den kann ein zu früher Kampf vernichten. Der wird mit einiger Wahrscheinlichkeit richtig verprügelt. Was übrigens manche Trainer für notwendig erachten um zu sehen, ob der Boxneuling tapfer genug ist, ein erfolgreicher Boxer zu werden.

Boxen als intellektuelles Spiel

Dieser Typ Boxer sucht nicht wirklich die körperliche Auseinandersetzung, sondern liebt geistige Schlagfertigkeit und in Sekundenbruchteilen zu fällende Entscheidungen. Er ist ein wenig verliebt in seine Technik und Schnelligkeit. Im Ring trifft er allerdings nicht unbedingt auf einen Gegner, der den Kampf ebenfalls als Spiel ansieht. Da kann ein schneller und harter Treffer dem Kampf ein plötzliches Ende setzen!

Boxen als echter Kampf

Der Kämpfertyp trifft mit etwas Glück auf einen schwächeren Gegner. Der kann sich der Kraft dieses Typs nicht erwehren und geht nach gewaltigen Treffern zu Boden. Das macht zunächst stolz und siegessicher. Beim nächsten Kampf kann sich das Blatt aber komplett wenden, ein guter Fighter steht mit im Ring, der sich sicher nicht um das Wohlergehen eines Anfängers kümmert, sondern munter drauflos schlägt. Es hindert ihn nichts daran, alles auszupacken, was er kann, und die Niederlage des Anfängers  ist vorprogrammiert. Was ist falsch gelaufen?

Alle guten Tipps, etwa „leicht schlagen“, nützen dem Anfänger im Ring nichts, wenn er vermöbelt wird. Denn der Gegner hat die Anweisung „leicht schlagen“ nicht erhalten und schlägt richtig hart zu. Trainer, die mit Boxanfängern auf diese Weise umgehen, vermasseln viel auf dem Weg ihres Schützlings vom Anfänger zum guten Boxer. Man behandelt Anvertraute nicht auf diese Art, und viel vom guten Ruf des Boxsports geht deshalb leider verloren.

Werfen wir also einen Blick auf den besseren Weg: Das Sparring muss schon früh wichtiger Bestandteil des Trainings sein und dem ersten Kampf vorangehen. Dafür sorgt ein guter Trainer. Und kein Trainer würde beispielsweise einen Skateboardfahrer mit dem ersten Sprung gleich von Dachfirst jagen, und kein Turner stellt sich mit einem doppelten Rückwärtssalto vor um zu zeigen, was in ihm steckt. Warum also sollte ein Boxer kämpfen, bevor er das Boxen gelernt hat? Wer als Trainer das Wohl seiner Sportler im Auge hat, wird demnach immer dafür sorgen, dass der zweite nicht vor dem ersten Schritt kommt.

Sparring heißt, Fähigkeiten zu entwickeln

Beim Sparring geht es nicht darum, einen Sieger zu ermitteln. Das Sparring (to spar with someone = sich mit jemandem auseinandersetzen) ist ein Wettkampf mit etwas anderen Regeln als im Wettkampf. Verletzungen sollen dabei vermieden werden. Darum werden spezielle Sparringhandschuhe verwendet und ein Kopfschutz getragen, der im Amateurbereich vorgeschrieben ist. Das Sparring hat zum Ziel, die Fähigkeiten der beiden Teilnehmer zu verbessern. Das gut durchgeführte Sparring wird vom Trainer oder einem erfahrenen Boxer beobachtet, da sich sonst leicht Fehler dauerhaft einschleichen können. Und die sollen ja gerade eliminiert werden. Beide Boxer sollen sich darauf konzentrieren, dass bisher mangelhaft ausgeführte Bewegungen und Schläge vermieden werden, was ihnen durchaus eine gute Portion Selbstbeherrschung abverlangt. Wirst Du beim Sparring beispielsweise immer wieder von einem bestimmten Treffer erwischt, wirst Du lernen, künftig davor auf der Hut zu sein und Gegenstrategien zu entwickeln. Das Sparring gibt Dir also die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, ohne dabei gleich verprügelt zu werden.

Kontrolliertes Sparring führt dazu, dass beide Partner lernen können. Beide haben die Chance – und müssen sich auch bewusst gegenseitig diese Chance einräumen – zu erkennen, was sie künftig besser machen müssen. Ein wenig ist das Sparring die Nachahmung eines echten Wettkampfes, allerdings mit hinreichend Zeit zum Üben und Wiederholen von Abläufen, Einzelschlägen und Kombinationen. Und weil ein bisschen Blödelei mit dem Partner auch dazu gehört, machen Sparringeinheiten meist richtig Spaß.

Wenn Du beim Sparring der Überlegene bist

Auch wenn Du merkst, dass Dein Sparringpartner nicht mir Dir auf Augenhöhe agieren kann, solltest Du Deine Überlegenheit nicht heraushängen lassen. Gib Deinem Partner die Chance zu lernen und sich zu verbessern. Im nächsten gemeinsamen Sparringkampf kannst Du bereits selbst davon profitieren, dass er Dir besser Paroli bieten kann. Es zeugt von Großzügigkeit, einen besseren Partner haben zu wollen. Also überwältige Deinen Sparringpartner nicht. Lass ihn mitarbeiten und Dich technisch herausfordern. Tricks und harte Schläge sind dem Wettkampf vorbehalten. Dann wird es Dir Dein Partner dadurch danken, dass er Dir Anerkennung entgegen bringt und Dir hilft, wo er kann. Er wird Dir vielleicht auch später noch Tipps für den richtigen Wettkampf geben, weil er weiß, dass Du im Sparring gegen ihn keinen Gebrauch davon machen wirst. Also: Angeberei ist hier völlig fehl am Platz!

Wenn Du im Sparring unterliegst

Kommst Du selbst in die Situation, gegen einen Partner zu sparren, der schon weiter ist als Du, dann sei nicht eitel. Augen zu und durch ist der falsche Weg. Sag einfach, dass Du leichtere Schläge oder ein geringeres Tempo brauchst, um mithalten zu können. Du willst schließlich lernen und Dich nicht irgendwie durchbeißen. Du wirst nicht als Waschlappen gehandelt, nur weil Du im Sparring der Schwächere bist. Beim nächsten Mal kann es ja schon wieder anders herum sein. Du darfst auch jederzeit um Rat fragen und um Tipps bitten. Der Sparringpartner sieht Dich in Deinen Aktionen und kann Dich auf Fehler hinweisen, vielleicht ebenso gut wie ein Trainer, der Euch zusieht. Du kannst aus den Aktionen Deines Partners lernen, indem Du ihn gut beobachtest und erkennst, warum er Dir überlegen ist. Das alles wertet Deinen Partner auf und er wird das mit Respekt und Hilfsbereitschaft Dir gegenüber beantworten. Denk auch daran, dass ein guter Boxer nicht über Nacht aus dem Boden wächst. Gib Dir also Zeit.

Im Ring zu Hause sein

Damit aus dem Sparring ein gutes Gefühl im Ring erwächst und Sicherheit für den tatsächlichen Kampf daraus gezogen werden kann, sollten sinnvolle Regeln das Sparring begleiten und jeweils konkrete Aufgaben gestellt werden. Sowohl der Trainer oder die Sparringpartner selbst können sich darauf einigen. Hier einige Beispiele, wie im Sparring trainiert werden kann.

Sparring gegen erfahrene Boxer

Wer als Neuling im Ring die Möglichkeit bekommt, gegen einen erfahrenen Boxer zu sparren, der hat großes Glück. Bei dieser Methode darf der Anfänger Schläge gegen den Partner führen, ohne dass dieser zurückschlägt. Das wird begleitet von Hinweisen zu Angriff und Verteidigung, zu Schlägen und Bewegungen des Neulings. Diese Sparringform klappt nicht zwischen einem absoluten Neuling im Ring und einem nur wenig erfahrenen Anfänger. Der etwas fortgeschrittene Anfänger wird vermutlich nicht die Selbstbeherrschung aufbringen, nicht zurück zu schlagen, wenn er getroffen wird.

Schattenboxen im Ring

Hierbei bewegen sich die Partner im Ring mit einer Entfernung, die sicher stellt, dass sie keine Schläge landen können. Sie stehen sich aber wie beim Kampf gegenüber, um sich an diese Situation zu gewöhnen. Das kann mit eingewickelten Händen (gut zum Aufwärmen) oder mit Boxhandschuhen geschehen. Letzteres gewöhnt auch an das Gewicht der Handschuhe beim Kampf. Man schlägt nun nicht beliebig wie beim normalen Schattenboxen, sondern reagiert auf den Partner. Schlägt er, schlägst Du zurück. Bewegt er sich, bewegst Du Dich entsprechend. Siehst Du Öffnungen, kannst Du agieren wie im echten Kampf und Deinen Schlag loslassen. Das Schattenboxen im Ring ist eine gute Vorbereitung von Neulingen, die bisher nicht oder kaum zwischen den Seilen standen.

Abfangen gerader Schläge

Bei dieser Methode dürfen sich die Sparringpartner leicht berühren. Sie schlagen abwechselnd ganz leichte gerade Schläge und bewegen sich dabei im Ring, stets auf Armeslänge voneinander entfernt. Einer schlägt, der andere fängt den Schlag ab und umgekehrt. Alles soll geschmeidig, locker und ruhig ablaufen. Haltung, Technik und Balance werden mit beachtet. Es ist nicht erwünscht, harte Schläge auszuteilen oder echte Treffer zu landen. Das Ziel ist, Schläge zu erkennen und abzufangen. Punkte sind nicht zu gewinnen.

5-Schläge-Übung

Nicht ein gerader Schlag, sondern 5 Schläge hintereinander sind hier angesagt. Ansonsten ist das Prinzip das gleiche wie zuvor beschrieben. Es darf auf Kopf, Brust, Schultern, Ellenbogen oder Körper gezielt werden. Die Schläge dürfen beliebig gestoßen werden, schnellere können mit langsamen abwechseln. Der Verteidiger darf die Schläge abwehren, wie er will. Er kann außer Reichweite gehen und den Gegner daneben schlagen lassen. Er kann auch mit rechts (Hand oder Arm) stoppen, oder einfach parieren. Dabei bleiben die Partner nach wie vor die gesamte Zeit auf Armeslänge voneinander entfernt. Eine Variante ist die „Doublette“, bei der sich die Partner abwechselnd mit zwei schnellen Schlägen (anstatt 5 Schlägen) angreifen. Diese Übungen beim Sparring fördern das variable Schlagen und die Verteidigung.

3-Schläge-Maximum (1-2’s)

Erstmals kommen hierbei die rechte und die linke Hand gemeinsam zur Bildung von Schlagfolgen zum Einsatz. Es dürfen aber nicht mehr als 3 Schläge hintereinander sein! Haken und Aufwärtshaken sind verboten. Der Verteidiger kontert nicht, sondern stoppt nur. Solche Schlagserien gewöhnen die Boxer allmählich an härtere Treffer mit der rechten Hand auf Körper oder Gesicht – auch wenn die Schläge beim Sparring natürlich nur ganz leicht geschlagen werden.

JAB-Sparring

Dies ist eine Art „freies“ Sparring, bei der den Sparringpartnern allerdings ausschließlich der JAB (linke Gerade) erlaubt ist. Beide Boxer dürfen beliebig angreifen und verteidigen. Technik und Balance sind wichtige Aspekte bei dieser Sparringform. Es soll nicht nur auf den Kopf gezielt werden, sondern auch auf den Körper, um auch diese Schläge verteidigen zu lernen. Auch beim JAB-Sparring gibt es zusätzliche Varianten.

1-2 Sparring

Leichtes Sparring mit geraden Schlägen und Cross-Schlägen ist hier gewünscht. Es geht darum, den Angriff zu perfektionieren.  Die Boxer bleiben in Reichweite und dürfen nicht hinein- oder herausspringen. Die Schläge dürfen niemals schmerzhaft sein. Entdeckt der Trainer, dass einer der Sparringpartner zurück zuckt oder die Augen schließt, ist das Tempo zu schnell und muss gedrosselt werden. Nur wenn das Tempo gering ist, können beide Partner genau beobachten, was der Andere macht. Hier heißt es „das Auge lernt mit“.

1-2-3 Sparring

Zu den Geraden und den Cross-Schlägen kommen jetzt noch die Haken dazu. Ansonsten gilt genau das Gleiche, wie es beim 1-2-Sparring beschrieben wurde.

Sparring mit allen Schlägen

Hierbei sind alle Schläge erlaubt: Linke und rechte Gerade, Haken und Aufwärtshaken, Cross-Schläge, dazu Paraden und Blöcke. Alles muss nach wie vor mit wenig Kraft und in mäßigem Tempo von statten gehen. Schnelle Angriffe und schnelle Abwehr bleiben ausgeschlossen. Keiner der beiden Partner darf schneller als der andere gehen. Durchbricht dennoch der „Angreifer“ die Verteidigung des Partners, so sollte dieser ruhig versuchen, den Treffer mit Gesicht oder Körper aufzunehmen. Wird das Sparring korrekt durchgeführt, sollte das nicht allzu schmerzhaft ausfallen.

Sparring bietet also auf vielfältige Weise sowohl Boxanfängern als auch versierten Boxern die Chance, zuvor ohne Partner eingeübte Techniken und Schläge zu üben und zu perfektionieren, ohne sich gleich im Kampf messen zu müssen. Sparring ist kein Wettkampf und keine Machtdemonstration, sondern eine sinnvolle Trainingsmethode.

Wenn das Sparring zu schnell und zu hart ist

Das Training im Ring macht den Athleten zu einem guten Boxer. Allerdings klappt das nur, wenn das Tempo ihn nicht am Ende völlig ausgelaugt und erschöpft zurück lässt. Sparring muss langsam geschehen. Dann hat auch der Körper die Möglichkeit, bestimmte Bewegungen in der Muskulatur zu verankern, quasi „abzuspeichern“. Trotz der Langsamkeit werden sich auch die Reflexe bessern. Zum Training mit Sandsack und Pratzen (Handpolstern), das alleine keine Verbesserung der Technik bringt, muss also die praktische Übung im Ring als Ergänzung her. Das passende Timing und das richtige Ausüben des Sparrings sind dabei ganz wichtig. Deshalb ist auf Einiges zu achten.

Schläge fallen zu hart aus

Wird sichtbar, dass einer der beiden Partner zu hart zulangt, muss das Training umgehend unterbrochen werden. Das kann vom Trainer oder vom Beteiligten ausgehen. Gleiches gilt, wenn das Tempo zu hoch wird. Übrigens: Kopfschmerzen sind ein untrügliches Anzeichen dafür, dass das Sparring zu hart ist.

Laufen statt schlagen

Laufen beide Sparringpartner – oder einer der beiden – zu viel herum und bewegen sich aus dem Aktionsradius heraus, können sie nicht zusammenarbeiten und wollen in dem Moment aus irgendeinem Grund nicht aufeinander reagieren. Vielleicht agiert einer der beiden zu schnell oder zu hart? Ist Angst im Spiel (vor allem bei Neulingen)? Es muss klar gemacht werden, dass alles locker und leicht ablaufen soll und Schläge niemals verletzend ausfallen dürfen.

Augen schließen

Schließt ein Boxer beim Sparring die Augen, heißt das, es läuft gerade etwas nicht optimal. Auch in diesem Fall kann es sein, dass das Tempo nicht stimmt oder Schläge ins Spiel kommen, die verboten sind. Kämpfen mit geschlossenen Augen ist besonders ungünstig. Dadurch ist es nämlich unmöglich zu sehen, welche Aktion der Gegner gerade durchführt. Man muss aber sehen können, was vor einem geschieht, um sich verteidigen zu können. Deshalb hat der Trainer darauf zu achten, dass das Tempo stimmt und alle Regeln des Sparrings eingehalten werden. Beide Sparringpartner sollen sich sicher fühlen können.

Panik in der Bewegung

Das Zurückzucken mit dem ganzen Körper ist ein Ausdruck von Angst oder Panik. Der Boxer reißt den Kopf zurück, um einem Treffer zu entgehen. Oder er versucht, den angreifenden Boxhandschuh mit einer panischen Bewegung „wegzufegen“. Im Kampf ist das eine äußerst schlechte Strategie. Deshalb sollte sich niemand im Sparring ein solches Verhalten angewöhnen. Besser: den einen oder anderen Treffer einstecken, wenn Vermeiden oder Blocken nicht möglich sind. Im Sparring sind die Schläge leicht, also kann keine schwere Verletzung auftreten. Auf Treffer zu reagieren ist aber das Mittel, die Verteidigung zu trainieren. Darauf sollte der Trainer aufmerksam machen.

Müdigkeit

Bei richtig durchgeführtem Sparring kann auch ein bereits etwas müder Boxer noch Spaß haben und einige Runden konzentriert mitarbeiten. Wird es zu schnell: Einfach darum bitten, das Tempo zu drosseln. Die Technik wird auch dann noch profitieren. Sowohl ein vernünftiger Trainer als auch ein guter Sparringpartner wird das berücksichtigen. Denn jeder weiß: Ein müder Boxer, der überfordert wird, kann leicht verletzt werden. Und ein Sparring nach zwei Stunden intensivem Sandsacktraining ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt, denn da ist echt schon die Luft raus.

Der Spaß fehlt

Wird sichtbar, dass einer der beiden Sparringpartner keine Freude am Sparring hat? Dann sollte man dieser Sache nachgehen. Denn das Sparring ist die Trainingsform, die der Kampfsituation besonders nahe kommt. Deshalb gilt: Alle Boxer müssen das Sparring unbedingt lieben und gerne ausüben! Auch an schlechten Tagen, bei leichter Müdigkeit, bei Über- oder Unterlegenheit dem Partner gegenüber soll das Sparring immer Spaß machen. Denn es geht um Technik, Freude an der Bewegung, Verbesserung der Fähigkeiten und: Freude am Miteinander, nicht Gegeneinander. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Sparring unter streng kontrollierten Bedingungen abläuft.

Die Theorie des „kontrollierten Sparrings“

Auch erfahrene Boxer können sich durch Sparring weiter entwickeln und ihre Fähigkeiten ausbauen. Hinter dem Erfolg zahlreicher Weltklasseboxer steht das regelmäßige, perfekt ausgeübte Sparring. Dabei muss das Sparring unter kontrollierten Bedingungen ablaufen, also von außen durch den Trainer überwacht werden (Außenkontrolle). Beiden Sparringpartnern müssen die Regeln des Sparrings vertraut sein. Und sie müssen bereit sein, sich daran zu halten (Selbstkontrolle). Das heißt unter anderem:

  • Beide sind konzentriert, aber zugleich gelassen und selbstbeherrscht.
  • Über Tempo und Schlaghärte besteht Einigkeit.
  • Geübt werden schöne Kombinationen, flinke Beinarbeit und gute Verteidigungstechnik.
  • Verfolgung des Partners bis in die Ringecke ist tabu.
  • Die Energie darf nicht verschwendet werden (10-15 Runden lockeres Sparring sind ein besseres Training als 3 Runden Kraftvergeudung).

Eine optimale Sparringeinheit lässt es zu, über viele Runden zu gehen, ohne vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Schnelligkeit und Auspowern fördern vielleicht die Fitness und stellen ein gewisses Ausdauertraining dar. Das Sparring ist aber zur Verbesserung der Fähigkeiten, nicht der Körperlichkeit gedacht.

Niemals im Sparring gewinnen wollen!

Stellen wir also noch einmal klar: Jeder sollte sich beim Sparring anstrengen und seine Fähigkeiten ausspielen, so gut er kann. Anstrengung und Motivation sind gut. Allerdings sollte immer im Vordergrund stehen, dass es ums Lernen geht. Darum, neue Fähigkeiten zu erwerben und Fehler zu korrigieren. Ein Anfänger wird vielleicht versuchen, seine bisher erworbenen Fähigkeiten auszuspielen. Er wird vielleicht seine Kondition, seine Geschwindigkeit, seine harte rechte Hand oder seine körperliche Konstitution in den Vordergrund bringen und versuchen, damit zu punkten. Es gibt aber beim Sparring keine Punkte, und deshalb ist das vergeudete Energie. „Gewinnen wollen“ um Stärke zu zeigen bringt beim Sparring nichts – auch keine Verbesserung. Deshalb sind KO-Schläge beim Sparring verpönt, und den Mut des Partners durch wilde Schläge oder gar Prügel zu brechen ist der schlechteste Weg überhaupt. Wer den Boxsport liebt und an den Geräten viel Spaß hat, der soll diesen Spaß auch im Ring behalten. Wird er beim Sparring nieder gemacht, wird er das Training vielleicht komplett abbrechen. Ein vielleicht richtig guter Boxer geht auf diese Art unwiederbringlich verloren.

Deshalb gilt für beide Seiten: Niemand wird im Sparring gewinnen, es ist also sinnlos, danach zu streben. Der Stärkere sollte dem Schwächeren immer die Möglichkeit bieten, zu lernen und besser zu werden. Nur die eigene Stärke ausspielen, ist feige. Auf der anderen Seite muss der Schwächere sich selbst schützen, indem er äußert, wenn es ihm zu schnell oder zu hart zur Sache geht. Wird das vom Sparringpartner oder Trainer nicht beachtet, muss er aus dem Ring gehen, und zwar sofort. Niemand hat es nötig, sich verprügeln zu lassen oder seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Damit wird er im Moment absolut nichts gewinnen. Gewinnen gehört ausschließlich in den Wettkampf!

Fazit

Sparring bietet jedem Boxer die Chance, sich und seine Fähigkeiten zu entwickeln. Das gilt für die Technik, die Schläge, die Schnelligkeit, die Improvisationskunst – aber auch für die Kontrolle der eigenen Emotionen. Auch das kann für den echten Kampf einen unglaublichen Vorteil bedeuten.

Vor allem der noch junge und unerfahrene Boxer sollte sich sorgfältig nach einem Sparringpartner umsehen, der Geduld und Freude aufbringt, mit ihm zu arbeiten. Der vor allem langsam mit ihm arbeiten will – Schnelligkeit und Rhythmus kommen erst mit der Zeit. Auch die Reflexe entwickeln sich erst nach und nach. Wer jedoch bei jedem Besuch im Trainingscenter ein bis zwei Stunden Sparring mit einplant, wird schnell besser.

Sparring ist gekennzeichnet durch gegenseitige Hilfestellung und Respekt. Beide Partner können profitieren, indem sie Fehler erkennen und vermeiden, gleichzeitig auch gute Elemente ausbauen und verbessern können. Echte Boxhandlungen werden am echten Kampfort, nämlich im Ring, eingeübt. Ohne dass es einen Sieger und einen Verlierer gibt. Im Sparring gibt es immer zwei Personen, die profitieren.

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