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Peitschenartig schlagen

Wie man peitschenartig schlägt

Peitschenartige Schläge? Viele Boxer kennen den Unterschied zwischen einem peitschenartigen und einen geschobenen Schlag nicht. Das sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Arten von Schlägen, und der peitschenartige Schlag ist eine tolle Waffe im Kampf, weil es ein harter und schneller Schlag ist. Hier lernst Du ihn kennen und kannst ihn ab sofort in Dein Training integrieren.

Der geschobene Schlag

Du sollst zwar den peitschenartigen Schlag kennen lernen, aber dazu muss erst einmal klar sein, was ein geschobener Schlag ist. Damit der Unterschied deutlich wird. Hab also Geduld und lass Dir zunächst erklären, wie ein geschobener Schlag zu charakterisieren ist.

Den meisten Anfängern ist nicht klar, dass sie schieben, wenn sie hart zuzuschlagen versuchen. Also: Beim geschobenen Schlag setzt der Boxer seine gesamte Energie ein, um quasi „durch das Ziel hindurch“ zu schlagen. Damit soll maximaler Schaden angerichtet werden, so ähnlich wie ein Schuss, der abgefeuert wird, um das Ziel zu durchschlagen. Die Oberfläche soll – bildlich gesprochen – durchdrungen werden. Statt der Kugel beim Schuss dient hier die Faust zum Eindringen. Dieser geschobene Schlag hat aber einige Nachteile.

Die Nachteile des geschobenen Schlages

Ein geschobener Schlag bedeutet in den allermeisten Boxsituationen einen ziemlichen Aufwand an Energie. Die sollte ein Boxer aber niemals einfach verschwenden. Ein Aktienhändler wird ja auch nicht sein gesamtes Geld in eine einzige Anleihe investieren oder ein Bauer hunderte Eier in einem einzelnen Korb sammeln. Verteilen ist besser, und deshalb sollte auch der Boxer seine Kraft nicht in einem Schlag bündeln, sondern besser verteilen. Zwar heißt es von manchen Experten, ein geschobener Schlag könne die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen Knockout zu erzielen. Weil der Schlag eben so wuchtig daher kommt. Allerdings ist dabei Folgendes zu bedenken: Ein KO ist die Überschreitung der Grenze, die der gegnerische Körper an Erschütterung aushält. Jeder einzelne Schlag, der diese Grenze auch nur minimal überschreitet, kann zum Knockout führen. Es ist nicht nötig, diese Grenze um ein Vielfaches zu überschreiten. Das wäre bloße Energieverschwendung. Ein Bisschen reicht völlig aus.

Es ist also nicht sinnvoll, auf einen einzigen harten (geschobenen) Schlag zu setzen in der Hoffnung, damit einen KO zu erzielen. Neben der Kraftvergeudung, die damit einhergeht, wenn Du keinen abschließenden Treffer landest, gibt es einen weiteren Nachteil: Du wirst angreifbar für einen Konter. Durch die Vorstellung, den Gegner mit Deinem Schlag zu durchdringen, hast Du enormen Zug nach vorne und kannst nicht schnell genug in die Deckung zurück. Das macht Dich offen für Konterschläge Deines Gegners.

Vorteile des geschobenen Schlages

Natürlich haben auch geschobene Schläge im Boxkampf ihre Berechtigung. Du sollst auf keinen Fall komplett darauf verzichten. Sinnvoll sind geschobene Schläge bei Köperschlägen. Ein Treffer auf den Körper mit einem guten geschobenen Schlag kann nämlich insofern tatsächlich „durchschlagen“, indem er die inneren Organe prellt. Am Kopf des Gegners hingegen prallt dieser Schlag eher ab, weil der Kopf eine harte Oberfläche hat und wegspringt, wenn er getroffen wird.

Was ist ein peitschenartiger Schlag?

Jetzt soll es endlich um das eigentliche Thema gehen, den peitschenartigen Schlag. Ein peitschenartiger Schlag zeichnet sich dadurch aus, dass die Faust mit sehr hohem Tempo nach vorne geschmissen wird. Dann aber nur mit einer minimalen Kontaktzeit auf dem Ziel verweilt und augenblicklich wieder zurück schnellt. Wird beim Schieben also die Kontaktzeit maximiert, so wird sie beim peitschenartigen Schlag auf ein Minimum reduziert. Die Faust springt sofort in die Deckung zurück.

Vorteile des peitschenartigen Schlages

Richtig angewandt und mit der optimalen Technik geschlagen, können peitschenartige Schläge tatsächlich Tonnen an Gewicht und Energie auf den gegnerischen Körper prallen lassen. Sie haben eine verheerende Kraft und können ziemlichen Schaden anrichten. Durch die enorme Beschleunigung knallen sie förmlich explosionsartig auf den Körper des Gegners. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt einen Treffer zu landen, ist dabei ziemlich groß. Das liegt an der Geschwindigkeit und der Kraft dieser Schläge. Gleichzeitig wird durch peitschenartige Schläge Deine eigene Deckung deutlich verbessert. Denn Du ziehst Deine Faust blitzschnell zurück und kommst unmittelbar wieder in Deine Ausgangshaltung, anstatt die Hand verzögert beim Gegner ruhen zu lassen (und dort zu schieben). Triffst Du beim Schieben nicht, bist Du verwundbar.

Peitschenartige Schläge sind zwar nicht ganz einfach zu meistern. Aber wenn Du sie erst einmal gut trainiert hast und anwenden kannst, werden sie Dir viel Spaß machen. Dein peitschenartiger Schlag wird sich mehrfach so stark anfühlen wie Deine geschobenen Schläge. Dein Gegner wird überrascht sein und Dir als fairer Sportler Anerkennung zollen, wenn Du ihm sein Leben mit der peitschenartigen Schlagtechnik schwer machst. Er wird Deine boxerischen Fähigkeiten voller Respekt zur Kenntnis nehmen. Merke also folgende Vorteile des peitschenartigen Schlages:

  • Er verschafft Dir eine schnellere Handgeschwindigkeit.
  • Er zeichnet sich durch eine enorme Rückzugsgeschwindigkeit aus.
  • Er minimiert Dein Risiko, ausgekontert und aus der Balance gebracht zu werden.
  • Er richtet höheren Schaden an.

Theorie und Praxis: Wie man peitschenartig schlägt

Der zentrale Punkt beim peitschenartigen Schlag ist ein entspannter Körper. Denn ein lockerer Muskel hat deutlich mehr Potential, mit Geschwindigkeit und Kraft zu explodieren, als ein angespannter oder gar verkrampfter Muskel. Nur dann kann die Energie des Aufpralls, die durch Deinen Arm und Deine Faust übertragen wird, beim Gegner bleiben. Und  nur dann kann die Schlaghand unmittelbar wieder zurück schnellen. Lockerheit, Schnelligkeit, Kraft und Heimkehr der Faust – das sind die Geheimnisse des peitschenartigen Schlages.

Entspannung

Die mentale Seite der Medaille hat einen fast ebenso großen Einfluss auf das Gelingen des peitschenartigen Schlages wie die körperlichen Voraussetzungen. Also sei ganz entspannt und geh nicht mit starren Vorstellungen und Absichten in Dein Training oder einen Kampf. Sei konzentriert, aber nicht verkrampft. Denk nicht überaggressiv und versteife Dich nicht darauf, Deinen Gegner unbedingt mit einem harten Schlag treffen zu wollen. Sei ruhig und gelassen. Dann übertrage diese Gelassenheit auf Deinen Körper. Ein komplett entspannter Körper und entspannte Arme sind die Ausgangsbasis für einen guten peitschenartigen Schlag.

Lockerheit

Boxer, die ihre Schläge schieben, „hängen“ nach jedem Schlag praktisch mit ihrem gesamten Körper an ihrer Faust. Dabei wird der ganze Arm angespannt, Unterarm und Faust verkrampfen leicht. Das ist alles andere als locker. Lockerheit erreichst Du, wenn Du sofort nach dem Abfeuern des peitschenartigen Schlages Deinen Körper entspannst und die Faust mit voller Wucht fliegen lässt. Arm und Faust unterliegen in diesem Moment nicht mehr Deiner Kontrolle. Du lässt los und wartest ab, ob Du einen Treffer landen kannst.

Explosion

Der entspannte Arm springt in die maximale Streckung, sobald Du den peitschenartigen Schlag geworfen hast. Im Moment der Schlagexplosion solltest Du zur Unterstützung der Bewegung auch explosionsartig ausatmen. Das heißt: Nicht langsam und lange ausatmen, sondern mit einem kurzen Stoß alle Luft herauspressen.

Schnelligkeit

Man will den Gegner richtig treffen, aber gleichzeitig auch schnell in die Deckung zurück kehren. Das macht es knifflig. Wird der Arm zu schnell zurück gezogen, verringert sich die Schlagkraft. Die Schultermuskulatur arbeitet gegen den Trizeps, der den Schlag abgefeuert hat. Das Zurückziehen verbraucht dadurch reichlich Energie. Wandert der Schlag zu weit, verwandelt er sich in einen geschobenen Schlag. Der natürlichste Weg zur Schnelligkeit ist, die Faust natürlich zurückspringen zu lassen. Also nicht aktiv zurück zu ziehen, sondern zu warten, bis der Arm nach maximaler Verlängerung entspannt in die Ausgangslage zurückschnellt. Das passiert am natürlichsten nach einem Aufprall, also nach einem Treffer. Aber auch wenn Du daneben schlägst (oder etwa beim Schattenboxen im Training), kehrt Deine Faust sehr schnell entspannt zu Dir zurück, wenn der Arm bis zu einem bestimmten Punkt verlängert wurde.

Kontaktzeit

Anspannung gibt es beim peitschenartigen Schlag ausschließlich im kurzen Moment des Aufpralls auf den Körper des Gegners. Das ist der Sekundenbruchteil, in dem Du das „Flatsch“ hörst, das Du vom Training am Boxsack kennst. Direkt nach dem Aufprall ist der Arm wieder entspannt. Die Kontaktzeit ist extrem kurz.

Trainingshilfe: Die Methode des Visualisierens

Die Technik des peitschenartigen Schlags zu erlernen, ist schwierig. Man kann als Trainer immer wieder versuchen zu vermitteln, wie der Schlag ausgeführt werden muss. Vielen Athleten hilft es, sich mit Hilfe der Vorstellungskraft die richtige Technik anzueignen. Dafür gibt es viele verschiedene Visualisierungsmethoden, aus denen sich jeder Boxertyp die für ihn geeignete aussuchen kann. Visualisierung heißt dabei, dass Du Dir den Ablauf in Deiner Vorstellung plastisch und realitätsnah ausmalst und genau diesen Ablauf in die Tat umzusetzen versuchst. Hier werden zehn unterschiedliche Methoden vorgestellt. Du kannst nacheinander alle Methoden testen und sehen, welche für Dich die Passende ist oder ob sich sogar mehrere für Dich eignen.

Methode 1: Entspannung bei Start und Rückzug

Hierbei stellst Du Dir vor, was eigentlich nicht sein soll: Langsam, fast in Zeitlupe geschlagene Schläge. Die Schläge beginnen völlig entspannt und nehmen immer mehr Geschwindigkeit auf, während sie sich auf ihr Ziel zu bewegen. Kraft und Schnelligkeit werden also erst am Ende des Weges zugefügt. Locker und entspannt schwingt der Körper bei dieser Methode in Schlagrichtung und wird kurz vor dem Aufprall hart. Die Atmung ist angepasst und wird vom Start bis zum Aufprall immer stärker. Auf dem Rückweg schwingt Dein Körper ganz natürlich und locker in die Ausgangshaltung zurück, die Hand ist komplett entspannt. Jetzt kann Deine andere Hand sich relaxt auf das Ziel zu bewegen. Übe diese Bewegungen erst langsam, dann immer schneller. Die Methode wird Deine Koordination verbessern und Deine Lockerheit fördern.

Methode 2: Schnelles Zurückziehen

Der Schlag wird etwas früher wieder zurück gezogen, als man es normalerweise (im Kampf) tun würde. Im Training  demnach ganz kurz bevor der Schlag den Boxsack berührt. Du wirst feststellen, dass durch diese Methode die Schläge schneller und peitschenartiger werden, weil die Hände mehr Zeit in der Luft verbringen als am Boxsack. Im Kampf wird der Schlag natürlich zu Ende ausgeführt, da ja sonst kein Treffer erzielt werden könnte.

Methode 3: Schlagen in zwei Schritten

Stell Dir vor, Deine Faust explodiert im Gesicht Deines Gegners, nachdem sie so schnell durch die Luft geflogen ist, dass ein Zuschauer sie nicht hätte sehen können. Dein Arm wandert also nicht langsam auf Deinen Gegner zu, sondern er ist an der Startposition sichtbar (Schritt 1) und dann erst wieder am Kinn des Gegners (Schritt 2). Diese Methode verhilft Dir zu schnelleren und explosiveren Schlägen.

Methode 4: Aus der Hüfte schlagen

Die Visualisierung bei dieser Methode ist, dass die Hände mit den Hüften verbunden sind und nicht mit den Armen. Während Du den Boxsack umkreist, hängen Deine Arme entspannt herunter und die Hände wandern an die Hüfte. Im dem Moment, an dem Du bereit für den Schlag bist, verankerst Du Deine Füße am Boden, drehst die Hüfte und stellst Dir vor, Deine Hände werden ganz schwer. Nun feuerst Du den Schlag mit voller Kraft aus der Hüfte heraus ab.

Methode 5: Nicht zielen

Du schlägst den Boxsack, ohne zu zielen. Es ist egal, ob Du oben oder unten triffst. Du kannst ganz entspannt drauflos peitschen. Du stellst Dir keine steif einstudierte Bewegung auf ein fixiertes Ziel vor, sondern bewegst Dich ganz natürlich aus dem Moment heraus. Diese entspannte Natürlichkeit führt zu einer verbesserten Nutzung von Kraft und Geschwindigkeit.

Methode 6: Schlag zurück prallen lassen

Hier geht es darum, dass die Faust möglichst schnell und so hart wie es geht wieder zurück schnellt. Das zwingt dazu, dass der Körper genau im passenden Augenblick angespannt und sofort wieder entspannt wird, damit die Hand vom Ziel zurück prallen kann. Du lernst dabei viel über Körperspannung.

Methode 7: Schütteln statt Drücken

Stell Dir den Boxsack vor, wie er sich „schüttelt“ wie ein nasser Hund nach dem Spaziergang. Genau das soll er machen, wenn Du einen optimalen peitschenartigen Schlag schlägst. Er soll also nicht ins Schwingen kommen, weil Du ihn wegdrückst, sondern er soll an Ort und Stelle bleiben und sich schütteln.

Methode 8: Peitsche statt Baseballschläger

Außer dem JAB haben die Boxschläge eine Spannbewegung, die es dem Arm erlaubt, die Brust nach vorne zu strecken und dann mit einer schnellen, kurzen Schnappbewegung zuzuschlagen. Stell Dir dabei Deinen Arm als Peitsche vor, also flexibel. Das Gegenteil wäre, den Arm so steif zu lassen, als würdest Du einen Baseballschläger in der Hand schwingen. Und das ist keinesfalls erwünscht. Also: flexibel und nicht stocksteif schlagen, Peitsche statt Baseballschläger benutzen!

Methode 9: Brot stehlen

Jemand hat einmal die Schlagtechnik beim peitschenartigen Schlag mit der Technik beim Brot stehlen verglichen. Stell Dir vor, Du katapultierst Deine Hand entspannt in Richtung auf den Gegner. Sofort nach dem Kontakt drehst Du die Faust, als würdest Du ein Brot greifen, und die Hand schnellt mit der „Beute“ wieder zurück.

Methode 10: Smack the Bag

Bei einem Treffer nach einem explosiv ausgeführten Schlag gibt der Boxsack ein klatschendes Geräusch (to smack = klatschen) von sich, eine Art „Flatsch“. Wenn der Schlag geschoben ist, klingt es eher nach einem dumpfen „Duff“. Dein Ziel ist es, den explosiven Schmatzer zu hören! Öffne also Deine Ohren und höre auf die Geräusche (Smack the Bag).

Das Training des peitschenartigen Schlages

Die Visualisierung mag Dir beim Training des peitschenartigen Schlages ein wenig helfen. Die richtige Technik und ein paar weitere Tipps sind aber die Hauptelemente, um im Kampf diesen Schlag effektiv nutzen zu können.

Keine Kraft verschwenden

Vor allem gilt: Die peitschenartigen Schläge dürfen nicht mit unnötigem Kraftaufwand geschlagen werden, wenn die Technik am Ende richtig sitzen soll. Bei Trainingsbeginn sollen Körper und Arme entspannt und locker sein. Die Schläge sollen weder schnell noch hart ausgeführt werden. Der Arm schlägt ohne Berücksichtigung der Geschwindigkeit, eher langsam und ungezielt. Das ist erst einmal wirklich ungewohnt und Du kommst Dir vermutlich etwas merkwürdig dabei vor. Es geht aber jetzt darum, die Entspannung zu üben und zu versuchen, mit minimalem Kraftaufwand zu treffen. So lernst Du, wie Du mit Technik Treffer setzen kannst anstatt mit Energie.

Vertikal schlagen

Schlag im Training einfach JABs, Crosses und Haken mal komplett vertikal nach oben, ohne auf irgendeine Technik zu achten. Da Du die Hand dabei nicht drehen musst, wird sich der Arm sehr entspannt anfühlen und sich schnell bewegen. Dieses Gefühl sollen alle Deine peitschenartigen Schläge haben. Natürlich schlägst Du nur zum Üben vertikal, und wenn Du den Dreh raus hast, achtest Du wieder auf Deine Technik und drehst die Hände korrekt ein.

Natürlicher Rückzug

Beim Üben des peitschenartigen Schlages kommt es auch auf den Zeitpunkt an, an dem die Hand optimaler Weise wieder zurück gezogen wird. Es bietet sich an, mit diesem Zeitpunkt ein wenig zu experimentieren. Du kannst beispielsweise die Hand in dem Moment zurück ziehen, in dem Du das „Flatsch“ des Boxsacks hörst. Wenn Du gut im Visualisieren bist, kannst Du Dir auch vorstellen, dass Dein Schlag den Boxsack um fünf Zentimeter penetriert, und in diesem Augenblick schnellt Deine Faust zurück. Am besten ist – und das ist Dein Trainingsziel – wenn Du Deine Hand einfach vom Aufprall zurückprallen lassen kannst. Dieser „natürliche Rückzug“ ist die perfekte Kombination aus Schlagkraft und geringstem Kraftaufwand. Du verschwendest keine Energie und schwächst die durchschlagende Wirkung des Schlages nicht durch einen Rückzug der Hand im falschen Moment. Durch ein zu frühes Zurückziehen würdest Du gegen die noch arbeitenden Schlagmuskeln arbeiten, durch ein zu spätes Zurückziehen würde der Schlag zum geschobenen.

Im Training kann der natürliche Rückzug geübt werden, indem Du die Schlaghand sofort fallen lässt, wenn Du den Boxsack getroffen hast. Lass die Hand fallen und zur Hüfte zurück springen. Du wirst nach und nach das passende Timing finden und Deinen optimalen Zeitpunkt für den Rückzug erkennen.

Den Körper einsetzen

Kommen Schläge nur aus den Armen, haben sie wenig Kraft. Es sind schnelle, lockere Schläge. Sie streifen den Gegner mehr als ihn zu treffen. Willst Du aber Kraft in Deine Schläge legen, dann muss Dein Gewicht ins Spiel kommen. Das heißt, Du musst Deinen ganzen Körper mitwirken lassen, indem Du ihn beim Schlagen effektiv mit bewegst.

Muskulatur trainieren

Du darfst niemals nur Deine Schlagmuskeln trainieren und die übrige Muskulatur vernachlässigen! Diesen Fehler machen leider viele Boxer. Sie vergessen ihre Rückenmuskulatur, die Rückzugsmuskeln und die Schultermuskeln (Deltoids). Eine Schlagbewegung besteht aber immer aus zwei Teilen:

  • dem Schlag, bei dem sich die Hand in Richtung Gegner bewegt, und
  • dem Rückweg, bei dem der Arm bzw. die Faust zum Boxer zurück kehrt.

Wird nur die Schlagmuskulatur trainiert, fällt der Rückweg langsam aus. Die nicht trainierten Muskeln werden schnell müde. Es also wichtig, dass Du nicht nur mit dips und push-ups die Schlagmuskeln stärkst, sondern immer auch Deine Rückzugsmuskeln im Workout forderst. Schattenboxen (Schläge in die Luft), das Schlagen an der Boxbirne oder Übungen mit leichten Gewichten sind gute Möglichkeiten dafür. Der Boxsack ist weniger geeignet, weil hier die Hände abprallen, anstatt aktiv zurück gezogen zu werden.

Dieser Tipp gilt natürlich nicht nur für das Einüben des peitschenartigen Schlages, sondern das Training aller relevanten Muskelgruppen sollte generell immer auf dem Trainingsplan stehen. Deine ganze Körperspannung wird sich bessern und Deine Geschwindigkeit steigen.

Das gute Beispiel: Boxer, die den peitschenartigen Schlag perfekt beherrschen

Es gibt eine ganze Reihe von Boxern, die als Weltmeister Furore gemacht haben und auch Meister im Nutzen peitschenartiger Schläge sind. Sie schieben nicht nur, sondern jeder kann sehen, wie sie ihre Schläge peitschenartig ausführen. Dabei führen sie Kombinationen in atemberaubender Geschwindigkeit aus, bis der Knockout kommt. Sie schlagen ihre Gegner nicht mit einem einzigen Schlag nieder. Sieh Dir die Beispiele an und achte darauf, wie relaxt sie während ihrer Schläge sind und wie ihre Arme beinahe gummiartig wirken. Diese Boxweltmeister nutzen intensiv die Technik der peitschenartigen Schläge:

Fassen wir zusammen:

Geschobene Schläge verbrauchen unnötig viel Energie und machen anfällig für Konterschläge des Gegners. Ein guter Boxer kann Dich nach einem geschobenen Schlag leicht kontern und aus der Balance bringen.

Denk also dran, dass es außer JAB-Cross-Haken-Aufwärtshaken noch andere Schlagtechniken gibt, die von wirklichen Spitzenboxern kontinuierlich trainiert und im Kampf erfolgreich eingesetzt werden. Setz deshalb unbedingt ab sofort peitschenartige Schläge mit auf Deinen Trainingsplan.

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